(12.02.2016)
Nach schwerer Krankheit auf dem Weg zurück
Seit unserem letzten Homepage-Eintrag ist einiges an Zeit vergangen. Viele von euch haben mitbekommen, dass Bernhard Leitinger gesundheitlich eine sehr schwere Zeit hinter sich hat:
Kämpfte Berni bis einschließlich Jänner 2015 noch um Sekunden und Plätze im Biathlonsport, so war es im Jahr 2015 der Kampf ums Überleben, den Berni führen müsste. Mit seiner positiven und tollen Art meisterte er diesen schwierigen Lebensabschnitt auf beeindruckende Art und Weise.
Wir haben ein ausführliches Interview mit Berni geführt, wo er uns über sein Jahr 2015 berichtet. Weiters blickt Berni mit uns auch bereits nach vorne und skizziert seine nächsten Ziele.
Auch wenn es keinen sportlichen Erfolg im Jahr 2015 zu verbuchen gibt:
Berni bezeichnet das wieder gesund werden als "größtes Glücksgefühl das ich je hatte"
Frage: Berni die allerwichtigste Frage vorweg: Wie geht es dir jetzt?
Berni: Danke, mir geht es soweit wirklich gut. Ich bin gesund und kann das Leben genießen.
Du hast am 17.01.2015 dein letztes Biathlon-Rennen absolviert. Auf Grund von Bauchschmerzen hast du danach den Weg zum Doktor gesucht. Beschreib uns kurz die Zeit bis zur Diagnose:
Es ging alles sehr schnell. Bis zu dem Tag hatte ich nie etwas bemerkt, außer dass meine sportliche Leistungsfähigkeit nicht meinen Vorstellungen entsprach. Ich bin nach dem Austriacup in Hochfilzen so zu sagen direkt ins Krankenhaus nach Salzburg gefahren und wurde am selben Abend auf Verdacht noch am Blinddarm operiert. Dies sollte sich als Glück erweisen. Herausgestellt hat sich ein paar Tage darauf allerdings, dass ich froh gewesen wäre wenn es nur der Blinddarm gewesen wäre.
Es kam die bittere Diagnose Lymphdrüsenkrebs:
Wie ging es weiter? Was waren deine ersten Gedanken? Wie hat dein Umfeld das alles aufgenommen?
Diese Situation, in der man sich befindet, wenn man solch eine Diagnose bekommt, kann man kaum beschreiben. Ich dachte ich wäre im falschen Film. Doch als ich hörte wie es um meine Chancen steht, nahm ich die Herausforderung sofort - so positiv es ging - an. Zum Überlegen blieb gar keine Zeit. Ich musste umgehend die Behandlung beginnen, da es sich um eine sehr aggressive Art handelte.
Die Frage: „Warum ausgerechnet ich?“ stellte sich für mich nie, ich wollte einfach so schnell wie möglich wieder gesund werden. Ich wusste, dass der wichtigste Wettkampf in meinem Leben gerade begonnen hat – und so ging ich das Ganze auch an.
In meiner Familie und in meinem Freundeskreis herrschte große Betroffenheit. Ich war sehr froh so viele nette Leute um mich herum zu haben. Sie halfen mir, das alles so gut zu überstehen. Dafür bin ich sehr dankbar!
Danach ging es für dich in die Chemotherapie. Deine Kollegen liefen um Punkte und Siege, für dich begann der harte Kampf ums Überleben! Wie schwer war die Zeit?
Natürlich war es am Anfang hart den anderen dabei zuzusehen, wie sie das machten wofür ich mein ganzes Leben gearbeitet hatte. Ich fand das ungerecht. Aber das wurde ganz schnell zur Nebensache, denn alles was ich wollte, war einfach wieder gesund zu Hause zu sitzen. Für mich als echten Naturburschen war in der Zeit wohl das Härteste, im Krankenhaus „eingesperrt“ gewesen zu sein. Im Krankenbett herumzuliegen und nicht mal Frischluft inhalieren zu können war eine echte Qual für mich. Als ich dann zum ersten Mal wieder aus dem Krankenhaus entlassen wurde und ich im winterlichen St. Martin eine Runde spazieren gehen konnte: Das war wohl das größte Glücksgefühl das ich je hatte, mit keinem sportlichen Erfolg gleichzusetzen.
Die Chemotherapie schlug gut an! Anfang Frühjahr gab es dann die Mitteilung: „Es sind keine Krebszellen mehr vorhanden“. Wie erleichtert warst du? Wie hast du dich gefühlt?
Diese Nachricht bekam ich ausgerechnet am 1. April. Ich fragte die Chef-Ärztin ob das eh kein Aprilscherz ist? Ich war natürlich überglücklich über diese Nachricht, aber ich wusste, dass der Weg noch hart ist, denn ich hatte gerade erst die Hälfte der Chemotherapie abgeschlossen. Dennoch war es eine große Erleichterung zu wissen, dass die Therapie wirkt.
Was hast du – aus dem für dich schweren Jahr 2015 – gelernt??
Für mein weiteres Leben konnte ich sicher extrem viel mitnehmen, so schnell kann mich nichts mehr aus der Bahn werfen glaube ich. Mittlerweile sehe ich vieles ganz anders als zuvor, lebe einfach intensiver und weiß viel mehr zu schätzen was zuvor einfach selbstverständlich war. Ich bin für jeden Tag sehr dankbar!
Wie verlief der letzte Sommer? Wann und wie begann dein Weg zurück in ein „normales Leben“?
Meine letzte Therapie hatte ich Mitte Mai überstanden, es fühlte sich an wie Geburtstag und Weihnachten zugleich. Von dort an ging es Woche für Woche bergauf. Ich versuchte von Beginn an wieder viel Sport zu treiben, aber mein Körper war extrem schwach, es ging sehr zäh. Dennoch hatte ich sehr viel Spaß dabei. Als die ersten Kontrollen positiv verlaufen waren, machte ich mir zum ersten Mal wieder Gedanken über meine Zukunft.
Mit Sicherheit hatte ich den schönsten Sommer meines bisherigen Lebens. Ich war viel in den Bergen und mit meinem Rad unterwegs, habe wunderschöne Tage erlebt und Sachen gemacht für die vielleicht sonst nicht die Zeit blieb. Ich habe das Leben in vollen Zügen genossen. In mir wuchs dennoch schnell der Wunsch, wieder in mein altes Leben zurückzukehren.
Wie hast du den Herbst 2015 und bisherigen Winter 2016 verbracht?
Im Herbst ist für mich die Entscheidung schon gestanden, dass ich noch einmal versuchen möchte, in den Leistungssport zurückzukehren. Nachdem ich gesehen habe, wie ich diese schwierige Aufgabe gemeistert habe, dachte ich mir: Was habe ich denn schon zu verlieren? Somit verbrachte ich die meiste Zeit damit, für mein Comeback zu schuften. Die letzten Wochen waren auch schon sehr qualitativ, ich konnte viel und ordentlich trainieren.
Was sind deine nächsten persönlichen Ziele?
Am 6. März findet in Schweden der legendäre „Wasalauf“ über 90km von Sälen nach Mora statt. Genau vor 20 Jahren war mein Papa Klaus dort am Start und seitdem geht mir dieses Rennen nicht mehr aus dem Kopf. Und wann wäre ein besserer Zeitpunkt als heuer dort teilzunehmen? Ich freue mich wirklich sehr darauf, gemeinsam mit meinem Papa und knapp 16.000 weiteren Langlaufverrückten dort zu starten.
Jetzt am Wochenende bestreite ich zur Vorbereitung den „Koasalauf“ in St. Johann in Tirol. Mein erster Wettkampf nach überstandener Krankheit, das wird sicher speziell.
Du hast gesagt du schuftest am Comeback und bist somit auf dem Weg zurück in den Spitzensport? Wie schaut die Marschrichtung dorthin aus?
Das Allerwichtigste für mich war erstmal, dass aus medizinischer Sicht nichts dagegen sprach, es noch einmal mit dem Leistungssport zu versuchen. Als diese Frage geklärt war und ich grünes Licht von meiner behandelnden Ärztin bekam, stand für mich fest, dass ich es noch einmal versuchen und nächstes Jahr noch einmal angreifen möchte. Mein Ziel ist es, das ich im Mai zum ÖSV-Trainingsauftakt für die neue Saison topfit bin und ich das Training nach Plan absolvieren kann. Im Moment sieht es auch ganz gut aus und ich fühle mich überraschend gut.
Willst du sonst noch etwas loswerden??
Ich möchte mich bei meiner Familie, meiner Freundin Julia, meinen Freunden und all jenen bedanken die mir in diesem Jahr zur Seite gestanden sind. Jedem Einzelnen bin ich sehr dankbar dafür! Danke auch dem ÖSV und der Polizei, die es mir durch ihre Unterstützung ermöglichen nochmals in den Leistungssport zurückzukehren. DANKE!!!
Wir sind sehr froh, dass Berni Leitinger wieder auf dem Weg zurück ist und
wünschen ihm weiterhin alles alles Gute, und vor allem Gesundheit!
Und hoffentlich sehen wir Bernhard bald wieder
auf den Langlaufloipen und Schießplätzen der Biathlon-Welt:
